Matthias Reinschmidt: Karlsruher Zoodirektor im Porträt
Shownotes
In dieser Episode "Matthias Reinschmidt: Karlsruher Zoodirektor im Porträt" von "Eis Eis Baby", dem Eisbär-Podcast der Badischen Neuesten Nachrichten, spricht Redakteurin Tina Mayer mit Matthias Reinschmidt, dem Zoodirektor des Karlsruher Zoos.
Sie diskutieren über Reinschmidts Leidenschaft für Tiere, seine Karriere und den "Mika-Effekt", der aktuell für erhöhte Besucherzahlen im Zoo sorgt. Reinschmidt teilt Einblicke in seine langjährige Verbindung zu Eisbären und seine Freude an der Vermittlung von Wissen über Tiere.
Zudem gibt er persönliche Einblicke in sein Leben, seine Tierliebe und seine Freundschaft zu Fernsehlegende Frank Elstner. Hören Sie rein für spannende Geschichten und Hintergründe aus dem Karlsruher Zoo!
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Redaktion: Tina Mayer | Produktion: Lucas Pflaum
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Hey und herzlich willkommen zu Eis Eis Baby, dem Eisbär-Podcast der Badischen Neuesten Nachrichten mit freundlicher Unterstützung der Volksbank Pur. Mein Name ist Tina Meyer, ich bin Redakteurin bei den Badischen Neuesten Nachrichten. Jeden Montag sprechen wir hier über Mika, den kleinen Eisbären. Heute wollen wir auch einmal ausführlicher über Matthias Reinschmidt sprechen. Er ist seit knapp zehn Jahren Zoodirektor in Karlsruhe. Als er damals angefangen hat, hat er gesagt, in meiner Amtszeit soll es im Zoo Nachwuchs bei den Eisbären geben. Das hat geklappt. Hallo Herr Reinschmidt. Hallo, ich grüße Sie Frau Meyer. Ich muss dazu sagen, dass wir heute nicht im Büro sind. Wir haben unser Gespräch nach draußen verlagert und sind hier gegenüber von dem Ententeich. Da drüben ist das Affengehege und hinter uns ein Spielplatz. Das ist ungewöhnlich, aber es ist nett, oder? Ja, das hört man auch, dass die Kinder hier im Hintergrund spielen. Aber diese Geräuschkulisse ist normal für uns im Zoo. Egal, wo man hingeht, die wirkliche Ruhe findet man hier. Vielleicht auf dem Berg ganz oben, im Lauterberg. Sie haben vorhin gesagt, das ist eigentlich einer Ihrer Lieblingsplätze da oben. Ja, das ist einer meiner Lieblingsplätze. Da hat man den Überblick, nicht nur über den ganzen Zoo, sondern auch in die Rheinebene. Bis zum Felserwald, bis zu den Vogesen, bis hin zum Schwarzwald eigentlich alles. Wenn man die 360 Grad rumguckt, das Schloss sieht man auch. Und den Oberwald, wo unser Tierpark Oberwald liegt. Da gefällt es mir wirklich toll. Es ist einfach eine Erhebung mitten in der Fläche. Das ist ein künstlicher Berg, der mal ein Wasserspeicher war und aufgeschüttet wurde mit dem Aushub der großen Seen, die wir haben. Ich sage immer, das ist die höchste Erhebung in der Rheinebene nach dem Kaiserstuhl. Fast. Ja, das ist so. Dann hat man auch einen tollen Blick, gerade bei schönem Wetter. Oder wenn man morgens um sechs mal da hoch geht, da kann man auch viele Vögel beobachten. Ich als alter Ornithologe mache das natürlich sehr gerne. Jetzt gucke ich gerade eben auf jenen Lauterberg. Und davor ist ja auch die Eisbärenanlage. Mika können wir jetzt von hier aus leider nicht sehen. Waren Sie heute schon da und haben nach ihm geguckt? Ich war vorhin mal da. Und was ist passiert? Sie war nicht da. Sie war gerade, oder sie, die Nuka und ihr Sohn, die waren gerade drin und haben sich drin irgendwie ausgeruht. Also das war gerade so eine Phase, die es halt auch immer mal wieder gibt, dass die einfach auch nach innen gehen. Wir wollen den Tieren einfach auch die Möglichkeit bieten, der Auswahl. Auch wenn das vielleicht nicht ganz so für die Besucher zuträglich ist. Weil die kommen, natürlich wollen die beiden Eisbären sehen. Aber die können sich immer wieder zurückziehen. Das ist dem Tierwohl geschuldet. Und das setzen wir ja ganz oben an. Wir haben heute in den Badischen Neusten Nachrichten und auch auf BNN.de gelesen, dass jetzt schon deutlich mehr Besucher kommen durch den kleinen Eisbären. Würden Sie da von dem Mika-Effekt auch sprechen? Ich glaube schon, dass es einen gewissen Effekt hat auf unsere Besucherzahlen. Der entscheidende Effekt, ob man in den Zoo geht, ist immer das Wetter. Also das merken wir schon. Bei schönem Wetter ist es immer deutlich mehr wie bei Regenwetter. Wobei ich sage immer, Regenwetter ist auch Eisbärwetter. Und da spielen die Eisbären genauso draußen. Wir sehen jetzt im Moment schon, auch gerade heute, jetzt ist ein Montag hier. Und unter der Woche sind eigentlich die Besucherzahlen nicht so hoch wie jetzt am Wochenende. Aber für einen Montag läuft es auch wieder ganz gut. Obwohl nicht mal die Sonne scheint. Das stimmt, ja. Es ist auch ein bisschen frisch, aber geht noch. Sie sind jetzt seit knapp zehn Jahren, im Sommer sind es zehn Jahre, dass Sie Zoodirektor sind in Karlsruhe. War das immer Ihr Traum? Es war immer mein Traum, Zoodirektor zu werden. Ich habe meiner Mutter als Sechsjähriger schon gesagt, als ich gefragt wurde, was willst du mal werden? Dann habe ich gesagt, ich werde Zoodirektor. Ich habe nicht gesagt, ich will Zoodirektor werden, sondern ich werde Zoodirektor. Und das bin ich geworden. Der Weg dahin war nicht kerzengerade, das muss ich schon auch zugeben. Aber ich hatte das Ziel eigentlich immer vor Augen. Und habe dann immer jede Tür, die sich geöffnet hat, dann auch genommen. Alles, was in diese Richtung ging, war für mich eigentlich der Weg zum Ziel. Und wenn es jetzt nicht geklappt hätte, was wären Sie dann wohl geworden? Vielleicht Schlagersänger. Ja, haben Sie da Ambitionen? Nein, das nicht. Aber ich bin ja eben in der Fastnacht auch tätig. Und das hat mich immer fasziniert, was Toni Marschall gemacht hat und so was. Ich bin jetzt nicht der Schlagerfuzzi, aber das auch mal auf der Bühne stehen, und vor Leuten was präsentieren, das hat mir schon immer irgendwo auch Spaß gemacht. Und als Zoodirektor muss man ja auch immer mal wieder vor den Leuten stehen und dann seine Themen eben rüberbringen in Vorträgen, in Ansprachen und so weiter. Also das passt doch auch so ein bisschen. Singen muss ich jetzt als Zoodirektor nicht, aber das macht ja auch nichts. Aber können Sie singen? Ich war im Schulchor. Ich war im Schulchor und dazu gar im Auswahlchor. Ich bin Bass, habe eine Bassstimme. Und das hat mir dann schon immer Spaß gemacht. Aber das ist also wirklich nur ganz am Rande. Das wäre wahrscheinlich keine reelle Option gewesen. Wer weiß. Vielleicht kommt es ja noch irgendwann. Nein, ich glaube nicht. Jetzt haben Sie ja damals gesagt, in meiner Amtszeit soll hier ein kleiner Eisbär geboren werden. Das hat jetzt geklappt. Und ist das so das Highlight in Ihrer bisherigen Laufbahn als Zoodirektor? Kann man das sagen? Also wir hatten in den letzten Jahren, in den letzten zehn Jahren, die ich jetzt fast da bin, wirklich schon viele tierische Highlights. Ob es neue Elefanten waren, die wir aus irgendeinem Zirkus oder aus einer schlechten Haltung bekommen haben. Oder ob es die Rosalinda war als Pipi Langstrumpf-Papagei. Oder ob es Jacintaras waren, die ich aufziehen durfte. Ob es eine junge Giraffe war, die bei uns geboren wurde. Also wir hatten schon wirklich viele tolle tierische Highlights. Aber der kleine Eisbär, das ist schon was ganz Besonderes. Auch für mich persönlich was ganz Besonderes. Da mir die Eisbären ja auch schon immer am Herzen liegen. Und ich weiß ja, wie verbunden der Karlsruher Zoo auch mit Eisbärenhaltung und mit Eisbärenzucht ist. Und auch in meiner Studentenzeit damals habe ich das immer alles verfolgt. Und deswegen war es mein großes Ziel, diese Eisbären auch wieder dahin zu bringen, wo sie mal waren, in die Zucht. Aber das war nicht ganz einfach in diesen letzten zehn Jahren. Das haben wir gehört, ja. Sind die Eisbären denn auch Ihre Lieblingstiere im Zoo, würden Sie das sagen? Also ein Zoodirektor hat ganz viele Lieblingstiere. Und ich natürlich auch. Meine speziellen Freunde sind natürlich die Papageien, das ist klar. Aber da gibt es natürlich charismatischere Tierarten und solche, die es weniger sind. Ich liebe genauso die Fische oder sonst irgendwelche Dinge. Ich habe ja selber vier Aquarien zu Hause. Aber Eisbären haben was Charismatisches. Die haben eine Ausstrahlung genauso wie Elefanten. Dem kann man sich kaum wieder verschließen. Und auch ich als Zoodirektor nicht. Und die Eisbären gehören ganz oben in die Top Five. Jetzt haben Sie gerade von den charismatischen Zootieren gesprochen. Welches Tier ist in Ihrer Meinung nach im Zoo sehr unterschätzt? Das ist eigentlich ganz toll, aber vielleicht erst so auf den zweiten Blick. Fällt Ihnen da was ein? Wenn man jetzt diese ganzen Tierarten anguckt. Wir haben ja immer so große charismatische Tiere, die ich hier gerade genannt habe. Giraffen, das ist so die Leitform für unsere Afrika-Savanne. Oder die Elefanten dann drüben. Klar, das kennt jeder. Die kann ja auch jeder direkt ansprechen. Es gibt aber Tierarten, die man eben auch als normaler Besucher gar nicht gleich erkennt, was das ist. Und wenn ich jetzt diese kleinen Rüsselhündchen angucke. Das ist so was Süßes, Nettes, wenn man rein so als emotionaler Mensch da drangeht. So dieses Verhalten dieser Tiere anzuschauen. Es ist eine Tierart, die erst seit letztem Jahr bei uns ist. Und ich war gerade vorletzte Woche in Leipzig, da kamen die her. Und da habe ich einen Vortrag gehalten und habe auch ein Bild der Rüsselhündchen gezeigt. Da habe ich gesagt, bei Ihnen brauche ich nicht fragen, was ist das für eine Tierart. Klar, die Leipziger Zoofreunde kennen das alle. Wenn ich das bei uns frage, und das habe ich ein paar Wochen vorher gemacht in einem Vortrag. Was ist denn das für eine Tierart? Da hat es keiner gekannt. Und das ist natürlich toll, dann auch solche Tierarten, die eben weniger im Fokus stehen, den Menschen näher zu bringen. Und wenn man dann noch einen Artenschutzaspekt dazu bringen kann, dann ist das dann noch immer doppelt viel wert. Was macht Ihnen bei Ihrer Arbeit am meisten Spaß? Am meisten Spaß macht mir, den Menschen die Tiere näher zu bringen. Und das versuchen wir auf vielfältige Art und Weise. Und gerade die medialen Möglichkeiten, die wir haben mit unserem Zoo, sei es mit Fernsehen, mit Printmedien. Aber jetzt auch mit dem Podcast, das ist eine Sache, die machen wir ja jetzt zum 11. Mal heute. Das ist ein ganz neuer Weg für uns und ich finde es einfach klasse. Jetzt reden wir zwei in die Mikrofone rein, unterhalten uns ganz nett. Aber nachher wird es gehört von Tausenden von Leuten. Und ich kriege immer wieder jetzt auch schon Rückmeldung, wenn ich durch den Zoo laufe und sage, oh, ich habe hier einen Podcast gehört und wir hören das immer wieder an. Und das freut mich dann auch und das ist ja so interessant. Ja, das ist dann ein tolles Feedback. Und natürlich auch unsere Facebookseite, das ist eine Sache, die haben wir dann eingeführt, als wir unseren Pressesprecher bekamen. Ich war ja das erste Jahr ohne Pressesprecher hier im Zoo, in einem Zoo, der eben eine Million Besucher hatte und hatte in diesem Bereich niemanden. Das hat man dann alles so mit der Stadt mitgemacht. Aber wir haben so viele Themen, die wir an den Mann und an die Frau bringen müssen, dass wir einfach da auch besetzt sein müssen. Und als dann der Herr Deibler zu uns kam, das war die erste Aufgabe, die ich ihm gegeben habe, mach eine Facebookseite. Und ja, wann soll die an den Start? Ja, morgen. So war es dann. Gut, es hat drei Tage gedauert, aber dann hat er sie rausgebracht. Und da sind wir so erfolgreich mit diesem Medium. Und da merken wir auch, wir haben über 110.000 Follower auf unserer Zoo-Facebookseite. Und da bringen wir jeden Tag Themen an die Menschen in unterschiedlichster Art und Weise. Und vor allem auch diesen Artenschutzgedanken und bedrohte Tierarten, Leute zu sensibilisieren auf diese Tiere, in unterschiedlichster Art und Weise. Und auch da haben wir dann noch ein eigenes Format erfunden mit einem Video, der aus meinem Büro kommt, so wie Jimek das früher gemacht hat. Das haben wir uns so ein bisschen zum Vorbild genommen. Der kam ja auch in seine Sendung immer mit einem Tier aus dem Zoo. Das brauchen wir gar nicht. Wir sind im Zoo und ich hole einfach meinen Ara raus und habe meinen Henry da. Und gerade letzte Woche hat auch eine Kollegin aus der Stadt zu mir gesagt, ich finde es immer so nett, wenn du dich dann verabschiedest, Henry und der Zoodirektor. Und da habe ich gesagt, ja, das hat sich so eingebürgert. Und auch da kriegen wir ganz viele positive Resonanz, dass die Menschen gerne die Filme angucken, auch mit vielen Kindern diese Themen dann anschauen. Und das freut mich sehr und das befriedigt mich auch ein bisschen in dieser Arbeit, dass man dadurch auch erfolgreich ist. Sie sind ja dann auch sehr präsent, auch in den Medien. Sie haben es gerade gesagt, Sie werden bestimmt auch oft angesprochen. Wie ist das so für Sie? Also ich freue mich immer, wenn ich angesprochen werde. Man merkt, ab und zu wird getuschelt oder sowas. Sie können gerne immer alle positiv auf mich zukommen. Ich habe es auch wirklich noch nie erlebt, dass ich eine negative Resonanz bekam. Die brauchen es auch nicht machen. Also ich werde immer positiv angesprochen. Und ich war gerade jetzt am Wochenende bei einer Tagung in Stuttgart in der Wilhelma. Und ich kann halt auch nicht durch die Wilhelma laufen, ohne nicht erkannt zu werden. Sei es im Restaurant oder eben bei den Tieren, wo man dann durchläuft. Und auch da wird man dann immer wieder angesprochen. Und vor allem gefragt, was macht der kleine Eisbär? Das ist wahrscheinlich das Hauptthema. Das ist schon überall im Moment das Hauptthema. Aber es macht ja Spaß. Ich habe immer gute und frohe Kunden zu berichten. Ist es auch in Ihrem privaten Umfeld Hauptgesprächsthema, wenn Sie privat unterwegs sind? Überall, wo ich hinkomme, jeder fragt mich, was macht der kleine Eisbär. Also ich habe sowas auch noch nicht erlebt, aber das ist trotzdem nett. Es sind ja immer fröhliche Gesichter, die einen das fragen. Da hat keiner einen grimmigen Gesichtsausdruck. Man wird immer freundlicher. Ja, was macht denn der kleine Eisbär? Und das beantworte ich dann auch immer sehr gerne. Welche Rolle spielen denn die Tiere in Ihrem Leben jetzt fernab von Ihren Zoo-Tieren hier so im Privaten? Haben Sie da auch Tiere? Ja, ich kann nicht ohne Tiere. Mein Leben ist wirklich den Tieren gewidmet. Ich will das schon so sagen. Mit sechs Jahren hatte ich das erste Meerschweinchen von einem Schulkameraden bekommen. Patrick, der hatte eine Meerschweinchenzucht. Das hat mir damals schon gefallen. Und der hat mir zum Geburtstag den Plekki geschenkt. Und mit acht gaben wir die ersten Wellensittiche. Und dann ging es halt so los. Ich habe dann einen Schulfreund gehabt. Der hatte auch ein Pärchen Wellensittiche. Und die haben sogar ein Jungtier im Nistkasten. Sie sind ja Höhlenbrüder. Also er hat so einen Nistkasten dran gehängt. Und die hatten ein Jungtier. Und das hat er mir nicht gezeigt. Und ich so als angehender Biologe, auch wenn ich erst acht war oder zehn. Ich wollte eigentlich immer wissen, wie sieht so ein kleiner Wellensittich aus? Und dann bin ich ins Zoogeschäft gegangen. Habe auch so einen Nistkasten gekauft. Da habe ich unserem Pärchen einen hingehängt. Und dann haben die angefangen zu brüden. Das erste Gelege war noch unbefuchtet. Aber dann hat sie noch mal gebrüdet. Und dann waren drei Junge drin. Und dann konnte ich das alles mitverfolgen. Es hat mich fasziniert, wie die dann so ran wachsen. Und wie schnell innerhalb von vier Wochen der Vogel fertig ist oder fünf Wochen. Und dann haben die noch mal gebrüdet. Und dann hatten wir aus drei Jungen noch mal vier Jungen. Dann hatten wir schon sieben Jungen. Plus das Pärchen waren neun Wellensittiche in der Küche meiner Mutter. Die ist verrückt geworden. Dann musste ich ausziehen, also aus der Küche. Und habe dann das erste größere Gehege gemacht. Und so hat sich das entwickelt. Ich hatte dann zeitweise über 100 Wellensittiche. Und dann sind größere Tiere dazugekommen. Also die, was man auch als Kinder macht. Ich bin durch die Teiche und Tümpel gegangen. Habe Kaulquappen geholt und in der Entwicklung beobachtet. Das hat mich immer alles fasziniert. Und dann war auch ganz klar, ich will gerne in diese berufliche Richtung gehen. Und irgendwann habe ich das Abitur geschafft. Das ist ja sozusagen auch Voraussetzung, wenn man dann einen Studiengang machen will. Ich habe an der Heimschule Lender dann da eben mein Abitur gemacht. Das war eine tolle Schule. Und ich bin da auch immer gefördert worden in Biologie. Das war mein Talent, so mehr oder weniger. Und habe dann aber nicht gleich einen Studienplatz gekriegt. Ich war erst bei der Bundeswehr. Habe dann noch ein halbes Jahr im Praktikum. Sieben Monate im Praktikum im Karlsruher Zoo gemacht. Und es war auch eine nette Story. Ich hatte zwei Jahre Wartezeit auf meinen Studienplatz. Die ersten 15 Monate waren eben mit der Bundeswehr belegt. Und dann war ich bei der Firma Bosch, habe Nachtschicht gearbeitet. So richtig fünf, sechs Monate Nachtschicht. Und habe das richtige Leben kennengelernt, wie hart das Geld auch verdient ist, wenn man da an der Maschine sitzt und das viele Stunden machen muss. Es hat einem nicht schlecht getan. Und dann sieht man auch, wie hart das andere Leute dann verdienen müssen. Aber ich war reich danach. Als Student, das war mein erstes Geld, was ich verdient hatte. Und ich muss ganz ehrlich sagen, dann habe ich gesagt, jetzt will ich aber noch was machen bis zum Studium, was mir auch Spaß macht. Ich habe an den Karlsruher Zoo geschrieben, habe gefragt, ob sie nicht Tierpfleger bräuchten. Ich kann sowas. Ich habe selber so viele Tiere zu Hause in meiner naiven Art und Weise. Und habe dann aber ein Schreiben bekommen, ja, das ist ein Ausbildungsberuf, hat man mich aufgeklärt. Aber sie können gerne ein Praktikum machen. Und das habe ich gemacht, war dann hier über ein halbes Jahr, bis zu meinem Studiumsbeginn. Und das hat natürlich dann auch alles verstärkt, diesen Berufswunsch. Mensch, das ist wirklich toll. Ich habe als Tierpfleger über Hilfe gearbeitet. Und das ist auch die schöne Zeit gewesen, wo ich sozusagen auch noch Zeitzeuge dieser letzten Eisbären war, die es da in der Zucht gegeben hat. Das war 1986. Und dann habe ich hinten dran eben das Studium gehängt und habe dann auch immer wieder den Kontakt gehalten, meine Diplomarbeit im Karlsruher Zoo gemacht. Und somit dann auch die allerletzten Eisbären, die 1991 auf die Welt kamen, dann so begleitet. Mehr oder weniger. Ich habe meine Diplomarbeit damals über die Papageien, über die Tukuman-Emotionen gemacht hier im Zoo. Ich hatte 30 Tiere hier zur Beobachtung. Und meine damalige Freundin, spätere Frau, hat ihre Diplomarbeit über diese kleinen Eisbären gemacht. Das war das viel goldigere Thema, muss ich ja wirklich zugeben. Und somit bin ich auch einer der letzten Zeitzeugen, die noch hier arbeiten von damals, die eben die letzten Eisbären auch mitgebracht haben. Mitgemacht haben. Und da gibt es noch ein paar im Zoo, ein paar ältere Tierpflegerinnen und Tierpfleger. Aber ich bin da eben auch einer, der das eben noch miterlebt hat. Und deswegen schließt sich jetzt auch für mich der Kreis, dann nach so langer Zeit dann wieder eben in diese Eisbärenzucht einzusteigen. Und da, dann hatte ich meine Diplomarbeit gemacht und war dann fast acht Jahre Redakteur einer Zeitschrift, die sich mit Papageien beschäftigt. Also eine Papageienzeitung. Und dort ist es mir ein bisschen langweilig geworden, habe ich dann Laserreisen in den Loro Parque nach Teneriffa erfunden. War viermal als Reiseleiter mit meinen Lasern dort und habe dann den Job als Kurator im Loro Parque angeboten bekommen. Und das war dann der Einstieg wieder in die Zoos. Und die Chance kriegt man dann auch einmal im Leben angeboten. Die habe ich ergriffen und war dann ab März 2001 im Loro Parque bis Juni 2015. Dann später auch noch als zoologischer Direktor. Erst als Kurator, später als zoologischer Direktor. Und ja, dann war die Stelle hier ausgeschrieben und 121 Leute wollten die Stelle haben. Ich habe sie bekommen. Das ist eine Glückssituation für Karlsruhe, aber genauso für mich. Zurück in die Heimat. Ist eine Win-Win-Situation. Es macht Spaß, in der Heimat wieder Dialekt schwätzen zu können. Das ist vor allem das, was natürlich auch toll ist, wenn man den ganzen Tag nur Spanisch, Englisch und Deutsch in drei Sprachen auf Teneriffa redet. Und dann wieder daheim zu sein und auch sein Dialekt wieder pflegen zu können. Und man wird verstanden. Das ist einfach toll. Aber für mich war es einfach der Weg. Das war die allerhäufigste Frage. Wie kann man aus Teneriffa nach Karlsruhe gehen? Das geht doch gar nicht. Jeder hat nur dieses Urlaubsfeeling im Kopf. Klar, Urlaub, zwei Wochen Urlaub. Oder vier Wochen. Aber wenn man seinen Lebensmittelpunkt hat und für alles, was man will, auf Kongresse zur Familie, die ja in Deutschland ist, immer ins Flugzeug sitzen muss, dann war das ein Glücksfall für mich, dass hier die Stelle in Karlsruhe endlich frei wurde und dann ich bekommen habe. Vermissen Sie die Insel manchmal? Ich vermisse die Insel nicht. Aber ich gehe sehr gerne dahin. Ich bin weiterhin im wissenschaftlichen Beirat des Loro Parque. Es ist ein Ehrenamt. Da gehe ich einmal im Jahr hin. Und gelegentlich auch mal in Urlaub. Ganz ehrlich. Jetzt kann ich wieder Urlaub auf der Insel machen. Ansonsten muss man auch sagen, während dieser 15 Jahre, wo sind wir in Urlaub hingegangen? Immer nach Deutschland. Klar, ich habe 30 Tage Urlaub. Aber da kann ich nicht noch irgendwo groß hingehen. Wenn ich meine Familie in Deutschland habe, dann sind wir sogar im November, Dezember, bei aus unserer Sicht Niesel, Regen, Wetter. 3 Grad hat uns plötzlich wieder gefallen. Hätte ich mir nie vorstellen können. Die ersten 5 Jahre habe ich dieses Novemberwetter nicht vermisst. Aber dann irgendwann ist es auch wieder schön. Und jetzt, ganz ehrlich, nach diesen 15 Jahren genieße ich auch diese Jahreszeiten. Dieser Jahreszeitenwechsel, der ist einfach fantastisch. Gerade jetzt, das aufbrechende Frühjahr, ist ja eigentlich immer mit die schönste Jahreszeit. Finde ich auch, ja. Das ist eigentlich immer alles grün. Immer alles ohne diesen Wechsel. Hat auch einen Wechsel drin, je nach Höhe auf der Insel. Aber das ist hier schon deutlich ausgeprägt. Das macht Spaß. Sie haben erzählt, dass Sie früher so einen halben Zoo zu Hause hatten, als Kind oder Jugendlicher. Wie ist das heute bei Ihnen zu Hause? Das kann natürlich auch nicht ohne. Wir haben einen Chihuahua, einen kleinen Hund. Wir haben 4 Aquarien. Und wir haben natürlich auch einen Papageien. Wir haben 2 Graupapageien. Ich kriege jede Woche Papageien angeboten von Privatleuten, die sich gerne gut untergebracht haben möchten. Ich kann so schlecht Nein sagen. Aber ich muss es immer wieder. Aber bei 2 konnte ich dann auch nicht Nein sagen. Dann habe ich gesagt, okay, dann nehme ich sie halt. Wir haben hier im Zoo keinen Platz mehr. Jetzt habe ich gerade wieder 2 Anfragen auf meinem Schreibtisch. Die Leute kennen natürlich meine Person aus dem Fernsehen, der gut mit Papageien umgeht. Sie haben das Vertrauen. Das verstehe ich alles. Aber ich kann auch nicht die Welt retten. Und die Papageienwelt auch nicht. Aber wenn es dann gar nicht anders geht, dann... Dann sagen sie auch mal Ja. Dann wäre ich dabei. Dann sage ich auch zu so einem Graupapageien noch Ja. Es muss natürlich auch ein Vogel sein oder Vögel sein, die nicht zu sehr laut sind. Kakadus sind natürlich mir noch näher. Aber die schreien natürlich auch die ganze Umgebung zusammen. Und das in der Wohngegend ist weniger nachbarschaftsfördernd. Und Ihre Graupapageien, haben Sie da ein ähnliches Verhältnis wie zu Henry? Da haben Sie ja schon ein besonderes Verhältnis. Ich muss ganz ehrlich sagen, zu Henry und Indigo habe ich wirklich das engste Verhältnis. Die beiden kann ich ja auch rausnehmen und dann auch in jeder Position halten. Das kann ich mit den Graupapageien nicht. Die eine ist eine Zicke. Die frisst zwar aus der Hand, aber sie lässt sich nicht auf die Hand nehmen. Und das Männchen ist sehr lieb. Und das kann ich durchaus auch rausnehmen. Aber ganz so umgehen wie mit Henry und Indigo kann ich mit denen nicht. Aber wir müssen es auch nicht. Die sollen ja in ihrer Paarzusammenstellung auch leben und da glücklich sein. Jetzt würde ich gerne noch mal kurz auf das Thema Fernsehen zu sprechen kommen. Sie waren ja immer viel im Fernsehen zu sehen. Da rufen die Affen. Hören Sie es? Nein, das sind die Aras. Wo wir gerade davon sprechen. Sie waren ja auch immer viel im Fernsehen. Würden Sie sagen, dass das neben den Tieren Ihre 2. große Leidenschaft ist? Ja, das muss ich ganz ehrlich sagen. Das hat sich so entwickelt. Ich habe Ihnen vorhin gesagt, Schlagersänger wäre ich vielleicht gerne gewesen. Das ist so ein bisschen, was auf der Bühne steht und den Leuten was näherbringt. Sei es jetzt Lieder oder diese Themen, die tierischen Themen. Man versucht es ja im Zoo in verschiedener Art und Weise. Aber wenn man das im Fernsehen macht, dann hat man einfach noch viel mehr Leute, die man erreicht. Dieses Medium hat sich bei mir so langsam entwickelt. Ganz ehrlich. Im Loro Parque bin ich da reingewachsen. Da kam dann so eine Serie, Menschen, Tiere und Doktoren. Da haben wir dann 300 Beiträge, 300 Sendungen für die gemacht. Und das so als Daily-Zoo. Da war ich immer eine ganze Woche nur mit dem Fernsehteam unterwegs. Der Chef wollte das auch. Ich habe das auch gerne gemacht. Ich habe immer mehr Spaß daran gefunden. Ich konnte mich dann auch wirklich da ausleben. Ich habe dann auch immer ein bisschen recherchiert über die Tiere. Was ich den Menschen auch erzählen kann im Beiläufigen. Ich höre da auch immer wieder als Resonanz, dass ich das auch so erkläre. Dass es jeder versteht. Das macht mir dann auch Spaß. Dann war natürlich diese Serie, Menschen, Tiere und Doktoren. Es war eine Tierarzt-Serie. Ich bin ja gar kein Tierarzt. Ich war aber dann zeitweise der bekannteste Tierarzt in Deutschland. Und habe dann aber noch die ARD-Serie, Papageien, Palmen und Co. gemacht. Bis heute wird diese wiederholt. Die ist 2010 aufgenommen. Da war das Fernsehteam ein halbes Jahr bei uns. Sieben Monate. Das muss man sich vorstellen. Sechs Tage die Woche haben wir Zoo-Geschichten gedreht. Da war nichts anderes wie das. Das war aber toll. Ich habe mich dann auch immer mit dem Fernsehteam beschäftigt. Ich habe mich dann auch immer mit dem Fernsehteam beschäftigt. Das war aber toll. Ich habe 114 verschiedene Geschichten gemacht in dieser Zeit. Über alle möglichen Dinge. Diese Serie ist bis heute fast 40-mal wiederholt worden. Wenn man sich das vorstellt. In allen dritten Programmen. Das gibt natürlich eine mediale Präsenz. Ich werde heute noch auf diese Sendungen, die wirklich schon fast 15 Jahre hinter mir liegen, angesprochen. Die läuft auch gerade wieder. Wir haben uns überlegt, wie oft es wiederholt wird. Diese Fernsehpräsenz hat mir eine gewisse Bekanntheit gegeben. Das Beste von allem war dann Elstners Reisen. Als ich Frank Elstner 2004 kennenlernen durfte. Und sich daraus eine tolle Freundschaft entwickelt hat. Bis heute haben wir zwölf große TV-Dokumentationen. 90 Minuten. Wer macht das heute noch? Kaum noch einer mit 90 Minuten. Das hat mich mit ihm weltweit auf alle Kontinente gebracht. Zu den tollsten Artenschutzprojekten. Wir haben Menschen engagiert. Und Menschen kennengelernt. Auf unterschiedlichste Art und Weise. Wir beide sind zu echten Freunden geworden. Wir haben zusammen in der Missionarstation auf Borneo übernachtet. Genauso in der Biologen-Station auf dem Bahamas. Wir haben ein Bett geteilt. Wir treffen uns. Wir wohnen nur 10 km auseinander. Fast jede Woche. Wir machen ein Spaziergang miteinander. Das ist eine tolle Männerfreundschaft geworden. Wir haben immer etwas zu erzählen. Ich habe mit keinem anderen Menschen so vieles erlebt. Weltweit. Wie mit ihm. Wenn ich alles zusammenrechne, waren wir fast ein Dreivierteljahr zusammen. Für diese Dokumentation. Das ist ein Erfahrungsschatz. Aber auch ein Schatz für mich. Das ist das größte Geschenk in meinem Leben. Was machen Sie sonst, wenn Sie nicht arbeiten? Sie arbeiten ja sehr viel. Ich habe einen Sohn. Der braucht Betreuung. Ich habe einen Garten. Da bin ich am allerliebsten. Da entspanne ich auch. Ich muss sagen, das ist eine tolle Familie. Wenn die Pflanzen wiederkommen im Frühjahr. Ich setze und schneide. Da finde ich Entspannung. Wenn das nicht reicht. Dann nehme ich das Fernglas. Und gehe nach großen Brachvögeln. Oder spazieren gehen. Das Fernglas ist immer dabei. Es gibt so vieles in unserer Natur zu entdecken. Und zu bewahren. Die Natur und die Tiere. Sie haben es mir in jeder Hinsicht angetan. Wie sieht Ihr perfekter Sonntag aus? Mein perfekter Sonntag? Ich habe Zeit für Spaziergänge. Und raus in die Natur zu gehen. Und ein schönes Wetter dazu. Das im Kreise der Familie zu tun. Das ist auch schön. Herr Reinschmidt, vielen Dank. Wir sind schon wieder fertig. Vielen Dank für dieses Gespräch. Und den Einblick in Ihr Leben. Ich danke Ihnen. Vielen Dank. Liebe Zuhörer und Zuhörer. Wir hoffen, es hat euch gefallen. Lasst uns gerne ein Like da. Aktiviert die Glocke, um keine Folge zu verpassen. Weitere Informationen findet Ihr in der Beschreibung. Wenn Ihr Fragen an Herrn Reinschmidt habt, könnt Ihr uns diese gerne schicken. an podcast.bnn.de Herr Reinschmidt, wir sehen uns nächste Woche wieder. Auf jeden Fall. Bis dahin. Tschüss.
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